Ich habe kürzlich versucht, ein Spiel zu starten, das ich vor fünfzehn Jahren gekauft habe. Der Datenträger ist da. Das Spiel läuft nicht, und es gibt keinen legalen Weg, es wieder zum Laufen zu bringen.
Das ist kein Einzelfall, sondern der Normalzustand für einen erheblichen Teil der Spielegeschichte.
Die technischen Gründe
Der harmlosere Teil.
Betriebssysteme entwickeln sich weiter und lassen alte Schnittstellen fallen. Ein Spiel, das für eine bestimmte Systemgeneration geschrieben wurde, findet später Funktionen nicht mehr, die es voraussetzt.
Hardware verschwindet. Laufwerke für optische Medien sind in neuen Geräten nicht mehr vorhanden. Anschlüsse für ältere Eingabegeräte ebenfalls.
Und Konsolen sind proprietäre Systeme, deren Software auf nichts anderem läuft, solange sie nicht nachgebildet wird.
Das alles ließe sich mit ausreichend Aufwand lösen. Emulation funktioniert und ist für viele ältere Systeme ausgereift.
Die rechtlichen Gründe
Der schwierigere Teil, und der, an dem die meisten Fälle scheitern.
Kopierschutzsysteme, die eine Verbindung zu einem Server voraussetzen, machen ein Spiel unbrauchbar, sobald dieser Server abgeschaltet wird. Das ist mehrfach passiert und betrifft Spiele, die vollständig ohne Netzwerk spielbar wären.
Lizenzen für Bestandteile laufen aus. Musik, Marken, abgebildete Fahrzeuge oder Sportler sind häufig nur befristet lizenziert. Läuft die Lizenz aus, darf das Spiel nicht weiter verkauft werden, und es verschwindet aus den Läden.
Und Rechte an alten Titeln sind oft unklar, weil Studios geschlossen, verkauft oder aufgeteilt wurden. Wenn niemand mehr sicher sagen kann, wem etwas gehört, wird es nicht neu veröffentlicht.
Das Ausmaß
Untersuchungen von Archivorganisationen kommen zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der vor der Jahrtausendwende erschienenen Spiele auf legalem Weg heute nicht mehr verfügbar ist.
Die genauen Anteile hängen von der Zählweise ab, die Größenordnung ist in mehreren Erhebungen ähnlich, und sie ist ernüchternd.
Zum Vergleich: Für Filme und Bücher gibt es Pflichtexemplarsysteme, Archive und einen Gebrauchtmarkt, der funktioniert. Für Spiele existiert nichts davon in vergleichbarem Umfang.
Was Archive tun dürfen und was nicht
Der Punkt, an dem es besonders unbefriedigend wird.
Bibliotheken und Archive sammeln Spiele, und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zugänglichmachung sind eng.
In vielen Rechtsordnungen ist es zulässig, Kopien zu Erhaltungszwecken anzufertigen, und nicht zulässig, sie außerhalb der Räume der Einrichtung bereitzustellen.
Für die Forschung bedeutet das, dass man physisch anreisen muss, um ein Spiel zu untersuchen. Für alle anderen bedeutet es, dass die Bestände praktisch nicht existieren.
Archivverbände haben in mehreren Ländern Ausnahmen für den Fernzugriff beantragt. Die Verfahren laufen seit Jahren, mit begrenztem Erfolg.
Wo es funktioniert
Um nicht nur zu klagen: Es gibt Gegenbeispiele.
Einige Vertriebsplattformen haben sich darauf spezialisiert, ältere Titel lauffähig zu machen, Rechte zu klären und Fassungen ohne Kopierschutz anzubieten. Das ist Kleinarbeit und funktioniert.
Einzelne Publisher haben eigene Kataloge alter Titel gepflegt und neu zugänglich gemacht.
Und es gibt Fälle, in denen Rechteinhaber ihre alten Titel freigegeben oder deren Quelltext veröffentlicht haben, was für die Erhaltung der wirksamste Beitrag überhaupt ist.
Was man selbst tun kann
Bei Käufen darauf achten, ob eine Fassung ohne dauerhaften Online-Zwang angeboten wird. Diese Fassungen sind langfristig die einzigen, die einem tatsächlich gehören.
Physische Datenträger und Installationsdateien aufbewahren, samt Seriennummern.
Und im Blick behalten, dass ein Kauf in einem digitalen Laden in den meisten Fällen eine Lizenz ist und kein Eigentum. Das steht in den Bedingungen, und es ist der Grund, warum ein Titel aus der eigenen Bibliothek verschwinden kann.
Warum das mehr ist als Nostalgie
Spiele sind das wirtschaftlich größte Unterhaltungsmedium und das am schlechtesten archivierte.
Wer in dreißig Jahren untersuchen will, wie diese Form sich entwickelt hat, wird auf Lücken stoßen, die heute noch schließbar wären.
Bei Film hat es Jahrzehnte gedauert, bis die Verluste bemerkt wurden, und ein erheblicher Teil der frühen Produktion war da bereits weg. Es spricht wenig dafür, dass es diesmal anders läuft.
Emulation und ihre rechtliche Lage
Der Bereich, in dem am meisten Verwirrung herrscht.
Ein Emulator ist ein Programm, das ein anderes System nachbildet. Die Programme selbst sind in vielen Rechtsordnungen zulässig, sofern sie ohne Verwendung geschützten Codes entstanden sind.
Die Frage ist nicht der Emulator, sondern das, was darauf läuft. Systemsoftware und Spiele bleiben geschützt, unabhängig davon, ob sie noch verkauft werden.
Die verbreitete Annahme, ein nicht mehr erhältliches Werk sei frei verfügbar, trifft in keiner mir bekannten Rechtsordnung zu.
Das ist der Kern des Problems: Ein Werk kann gleichzeitig geschützt und nirgends erhältlich sein, und dieser Zustand kann sehr lange andauern.
Was Hersteller tun könnten
Es gibt naheliegende Schritte, die kaum etwas kosten.
Kopierschutzsysteme abschalten, wenn ein Titel eingestellt wird, was mehrere Publisher bereits getan haben.
Bei Serverabschaltungen eine Fassung nachreichen, die ohne Verbindung funktioniert.
Und Titel, die nicht mehr verwertet werden, an Archive geben oder zumindest deren Zugänglichmachung dulden.
Nichts davon würde laufende Geschäfte gefährden, weil es sich um Material handelt, das ohnehin keine Einnahmen mehr erzeugt.
Was einzelne Menschen bewirken
Erhaltungsarbeit wird zu einem erheblichen Teil von Freiwilligen geleistet, die Datenträger auslesen, Dokumentation zusammentragen und Software lauffähig halten.
Ein Teil davon bewegt sich rechtlich in einer Grauzone, und ohne diese Arbeit wäre erheblich mehr bereits verloren.
Das ist eine unbefriedigende Lage: Erhaltung findet statt, weil sie jemand ohne Auftrag betreibt, und nicht, weil sie geregelt wäre.