Der Ärger über Konzertpreise richtet sich meist gegen die Künstler, und das ist die Adresse, an der er am wenigsten hingehört. Die Preisbildung entsteht an anderen Stellen.

Warum Konzerte überhaupt wichtiger wurden

Der Ausgangspunkt ist eine Verschiebung in der Einnahmestruktur.

Solange Tonträger verkauft wurden, waren Tourneen für viele Künstler ein Werbeinstrument. Man ging auf Tour, um Platten zu verkaufen, und die Tour selbst musste nicht profitabel sein.

Mit dem Streaming hat sich das umgekehrt. Die Einnahmen pro Abruf sind für die meisten Künstler sehr gering, und das Live-Geschäft ist zur Haupteinnahmequelle geworden.

Damit muss die Tour tragen, was früher der Tonträger getragen hat, und das schlägt sich im Preis nieder.

Dynamische Preise

Die auffälligste Veränderung der letzten Jahre.

Preise sind nicht mehr fest, sondern steigen mit der Nachfrage, ähnlich wie bei Flügen. Wer in einer stark nachgefragten Minute kauft, zahlt mehr als jemand, der eine Stunde später kauft.

Die Begründung der Anbieter ist, dass dieses Geld sonst beim Weiterverkauf anfiele und damit außerhalb des Systems bliebe.

Das Argument hat etwas für sich und lässt einen Punkt offen: Der Käufer weiß beim Anstehen in der Warteschlange nicht, was er zahlen wird, und die Preisspanne wird selten vorab genannt.

Mehrere Künstler haben sich öffentlich davon distanziert, teils nachdem ihre eigenen Fans betroffen waren, was darauf hindeutet, dass die Entscheidung nicht immer bei ihnen liegt.

Der Zweitmarkt

Der Bereich, in dem am meisten Geld an Menschen fließt, die mit der Veranstaltung nichts zu tun haben.

Automatisierte Aufkäufe beim Verkaufsstart sind trotz technischer Gegenmaßnahmen weiterhin ein Problem. Die Karten erscheinen binnen Minuten auf Weiterverkaufsplattformen zu einem Vielfachen.

Einige Länder haben den Weiterverkauf oberhalb des Originalpreises eingeschränkt, mit unterschiedlichem Erfolg. Durchsetzung über Landesgrenzen hinweg ist schwierig.

Was wirksam ist: personalisierte Karten, die auf den Namen des Käufers laufen und beim Einlass geprüft werden, sowie offizielle Weiterverkaufsstellen zum Originalpreis.

Beides erhöht den Aufwand für die Veranstalter und wird deshalb nicht überall eingesetzt.

Die Gebühren

Der Punkt, der Menschen am meisten ärgert, und zwar zu Recht.

Auf den Grundpreis kommen Vorverkaufsgebühren, Servicegebühren, Bearbeitungsgebühren und teils Gebühren für das Ausdrucken einer Datei, die man selbst ausdruckt.

Ein erheblicher Teil des Endpreises besteht daraus. Dass die Gebühren erst am Ende des Bestellvorgangs sichtbar werden, ist ein bekanntes Muster, gegen das in mehreren Ländern regulatorisch vorgegangen wird.

Wichtig zu wissen: Diese Gebühren fließen überwiegend an die Verkaufsplattform und den Veranstalter, nicht an den Künstler.

Wohin das Geld tatsächlich geht

Grob und ohne Anspruch auf Genauigkeit für den Einzelfall.

Die Produktion einer großen Tour ist teuer: Bühne, Technik, Transport, Personal, Versicherung, Hallenmiete. Bei aufwendigen Produktionen geht ein großer Teil der Einnahmen dafür weg.

Die Halle nimmt einen Anteil, oft zusätzlich zu den Einnahmen aus Getränken, die vollständig bei ihr bleiben.

Der Veranstalter nimmt einen Anteil und trägt dafür das Risiko.

Was beim Künstler ankommt, variiert erheblich und ist bei kleineren Acts oft überraschend wenig. Bei sehr großen Namen ist es sehr viel, und diese Fälle prägen die öffentliche Wahrnehmung.

Was man tun kann

Kleinere Veranstaltungen. Der Preisunterschied ist enorm, der Anteil, der beim Künstler ankommt, ist höher, und die Erfahrung ist bei vielen Konzerten besser.

Direkt beim Veranstaltungsort kaufen, wo das möglich ist, weil dabei Gebühren entfallen können.

Fanvorverkäufe nutzen, die häufig vor dem allgemeinen Start liegen und den automatisierten Aufkauf teilweise umgehen.

Und den Zweitmarkt meiden, wo es geht, weil jeder Kauf dort das Geschäftsmodell bestätigt, das die Preise erzeugt.

Das ist ein schwacher Hebel gegen ein strukturelles Problem, und es ist der einzige, der auf der Ebene einzelner Käufer existiert.

Die Rolle der Marktkonzentration

Ein struktureller Punkt, der die Preisbildung erklärt und selten benannt wird.

In mehreren Märkten gehören Ticketverkauf, Veranstaltungsorte und Tourneeveranstaltung teilweise denselben Unternehmensgruppen.

Das bedeutet, dass die Gebühren, die Hallenmiete und der Veranstalteranteil nicht unbedingt an verschiedene Parteien fließen.

Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern haben sich damit befasst, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Für Käufer bedeutet es vor allem, dass die Vorstellung eines Wettbewerbs zwischen Anbietern in diesem Bereich nur begrenzt zutrifft.

Was kleine Bühnen betrifft

Der Teil des Systems, der am stärksten unter Druck steht.

Kleine Spielstätten arbeiten mit sehr geringen Margen und sind auf Getränkeumsatz angewiesen. Steigende Mieten und Energiekosten haben in den letzten Jahren viele davon getroffen.

Genau dort entstehen die Karrieren, die später große Hallen füllen. Wenn diese Ebene wegbricht, fehlt der Unterbau.

Mehrere Branchenverbände haben deshalb Abgaben auf große Veranstaltungen vorgeschlagen, die kleinen Bühnen zugutekommen sollen. Einzelne Künstler setzen so etwas freiwillig um.

Für Besucher ist der wirksamste Beitrag schlicht, öfter hinzugehen, weil diese Häuser von Auslastung leben und nicht von Sympathie.

Was sich regulatorisch bewegt

In mehreren Ländern gibt es Vorstöße, die vollständige Preisangabe von Beginn des Bestellvorgangs an vorzuschreiben.

Das würde am Endpreis nichts ändern und würde ihn sichtbar machen, was für Vergleiche zwischen Anbietern erheblich ist.

Weitergehende Eingriffe, etwa Obergrenzen beim Weiterverkauf, existieren bereits in einigen Märkten und sind unterschiedlich wirksam.

Beides ist langsam, und es ist der einzige Hebel, der über das individuelle Kaufverhalten hinausgeht.