Ein neues Gerät kommt aus dem Karton und sieht falsch aus. Zu hell, zu bunt, und Filme wirken merkwürdig glatt, wie eine billige Fernsehproduktion.

Das ist kein Defekt. Es ist die Werkseinstellung, und sie ist für den Verkaufsraum gemacht, nicht für das Wohnzimmer.

Warum die Voreinstellung so ist

Im Laden stehen Geräte nebeneinander unter sehr hellem Licht. Wer dort auffallen will, muss heller und farbiger sein als der Nachbar.

Der Modus, der das leistet, heißt je nach Hersteller Lebendig, Dynamisch oder ähnlich, und er ist bei den meisten Geräten ab Werk aktiv.

Er hebt die Helligkeit an die Grenze, überzeichnet die Farben, verstärkt Kontraste und schärft nach. Im Laden funktioniert das. Zu Hause ist es eine Entstellung.

Der glatte Look und wie man ihn abschaltet

Das auffälligste Problem und das, welches die meisten Menschen am stärksten stört, ohne dass sie wissen, wie es heißt.

Zwischenbildberechnung erzeugt zusätzliche Bilder zwischen den vorhandenen, um Bewegungen flüssiger darzustellen. Bei Sport ist das sinnvoll. Bei Filmen zerstört es die Anmutung, für die das Material gemacht wurde.

Kinofilme werden mit einer Bildrate aufgenommen, die ein bestimmtes Bewegungsgefühl erzeugt. Wird das auf eine höhere Rate hochgerechnet, sieht das Ergebnis aus wie eine Livesendung.

Die Funktion heißt bei jedem Hersteller anders. Wer im Menü nach Begriffen wie Bewegungsglättung, Motion, Klarheit oder Zwischenbild sucht, findet sie, und sie gehört für Filme abgeschaltet.

Der richtige Bildmodus

Fast jedes Gerät hat einen Modus namens Film, Kino, Cinema oder in neueren Geräten Filmmaker.

Diese Modi kommen der Norm am nächsten, nach der das Material abgemischt wurde. Sie wirken beim ersten Hinsehen dunkler und wärmer, was der Punkt ist.

Besonders die Farbtemperatur irritiert anfangs. Der korrekte Weißpunkt wirkt gelblich, wenn man an einen kühlen, bläulichen gewöhnt ist. Nach ein paar Tagen sieht die kühle Einstellung falsch aus, was sie auch ist.

Was man sonst abschalten sollte

Rauschunterdrückung. Bei modernem Material gibt es nichts zu unterdrücken, und die Funktion entfernt stattdessen Filmkorn und Details.

Dynamische Kontrastanpassung, die Helligkeit je nach Szene verändert und dabei sichtbar pumpt.

Schärfe, die auf null oder in die Nähe gehört. Was hier als Schärfe verkauft wird, ist eine Kantenanhebung, die künstliche Ränder erzeugt.

Und sämtliche Modi mit Fantasienamen, die Bilder verbessern sollen. Das Signal ist bereits so, wie es gedacht war.

Der Raum spielt mit

Ein unterschätzter Punkt. Wie ein Bild wahrgenommen wird, hängt stark von der Umgebung ab.

Ein Gerät in einem hellen Raum mit Fenstern braucht andere Einstellungen als eines in einem abgedunkelten. Die meisten Geräte erlauben getrennte Einstellungen pro Modus, sodass man eine helle und eine dunkle Variante speichern kann.

Eine schwache, neutrale Lichtquelle hinter dem Bildschirm verbessert den wahrgenommenen Kontrast und entlastet die Augen. Das kostet fast nichts und wirkt deutlich.

Direktes Licht auf dem Bildschirm ist dagegen der größte einzelne Qualitätsverlust, den man sich einhandeln kann.

Was HDR daran ändert

Bei Material mit hohem Dynamikumfang gelten teilweise andere Regeln, und die Geräte wechseln dafür meist automatisch in eigene Modi.

Wichtig ist vor allem, dass die Einstellungen für HDR getrennt vorgenommen werden müssen. Wer nur den Standardmodus angepasst hat, sieht bei HDR-Material wieder die Werkseinstellung.

Und HDR in einem hellen Raum bringt wenig. Der Effekt lebt von tiefem Schwarz, und das gibt es bei Tageslicht nicht.

Der Aufwand

Zwanzig Minuten einmalig, und der Unterschied ist größer als der zwischen zwei Preisklassen.

Wer es genauer will, findet für die meisten verbreiteten Geräte veröffentlichte Messwerte und empfohlene Einstellungen. Die kann man abtippen und kommt damit sehr nah an ein kalibriertes Ergebnis.

Eine professionelle Kalibrierung lohnt erst bei sehr hochwertigen Geräten und für Menschen, die den Unterschied auch sehen wollen. Die Grundeinstellungen abzuschalten bringt neunzig Prozent davon zum Nulltarif.

Die Automatiken, die dazwischenfunken

Neben den Bildmodi gibt es eine zweite Ebene von Funktionen, die im Hintergrund arbeiten und selten erwähnt werden.

Eine Umgebungslichterkennung, die Helligkeit und Farbtemperatur laufend anpasst. Das ist bei Bedienoberflächen sinnvoll und bei Filmen störend, weil sich das Bild während einer Szene verändert.

Eine Energiesparautomatik, die die Hintergrundbeleuchtung absenkt, wenn längere Zeit ein dunkles Bild anliegt. Das trifft genau die Szenen, in denen man Details sehen möchte.

Und eine Erkennung des Inhaltstyps, die eigenständig zwischen Modi wechselt und dabei gelegentlich falsch liegt.

Alle drei gehören für filmisches Material abgeschaltet, und alle drei sind ab Werk aktiv.

Der Filmmaker-Modus

Eine Entwicklung, die man kennen sollte, weil sie den ganzen Vorgang abkürzt.

Mehrere Hersteller haben einen gemeinsamen Modus eingeführt, der sämtliche Nachbearbeitung deaktiviert, die Zwischenbildberechnung abschaltet und die Farbtemperatur auf den Standard setzt.

Er lässt sich in vielen Geräten automatisch aktivieren, sobald ein entsprechend gekennzeichnetes Signal anliegt.

Wo er vorhanden ist, ersetzt er den größten Teil der oben beschriebenen Handarbeit durch einen einzigen Schalter, und er ist der beste Ausgangspunkt für alles Weitere.

Die Quelle nicht vergessen

Zum Schluss ein Punkt, der alles Vorherige zunichtemachen kann.

Auch das Zuspielgerät hat eigene Bildeinstellungen, und auch dort gibt es Automatiken und Modi.

Wer am Fernseher sorgfältig eingestellt hat und dann eine Konsole oder einen Streamingstick mit werkseitiger Nachbearbeitung anschließt, bearbeitet zweimal.

Die Regel lautet: Die Quelle gibt das Signal unverändert aus, der Fernseher stellt dar. Alles andere führt zu Ergebnissen, die niemand mehr nachvollziehen kann.